Ein großer “Heer-Saal” gab dem Ort den Namen
Historische Ortsbegehung durch Hersel - 1136 erstmals urkundlich erwähnt - Clemens August baute eine Kirche
Bornheim-Hersel. Auf der Nord-Südachse des ehemaligen Heerweges von Rom zum Ärmelkanal liegt der Ort Hersel. Schon zur Römerzeit muß auf der Straße, parallel zum Rhein, reger Durchgangsverkehr römischer Legionäre und Kaufleute geherrscht haben. Über die Historie des alten Straßendorfs erzählte Studiendirektor Franz Grünkorn vom Bonner Heimat- und Geschichtsverein am Montag abend.
Woher der Ortsname Hersel kommt, hatte Grünkorn den etwa 80 Zuhörern bei der historischen Ortsbegehung schnell erklärt, In Urkunden erstmals im Jahre 1136 erwähnt, gibt die Bezeichnung kein Rätsel auf. Bisher sei nur eine Auslegung zur Hand, die nach Meinung des Studiendirektors allerdings fadenscheinig klinge: Hersel bezeichnet einen Saal oder Ort, an dem einmal ein Heer gelagert also "Heer-Saal". Und tatsächlich soll 876 Enkel Karls des Großen, Karl der Kahle, mit seinen Soldaten sein Lager hier am Rhein aufgeschlagen haben. Doch die Geschichte Hersels reicht viel weiter zurück. Bereits in vorchristlicher Zeit haben hier Menschen gelebt. Für die Römerzeit ist ein Gutshof durch Funde belegt. Auf dem Gelände der alten Barockkirche, dem heutigen Aegidiussaal, stand wahrscheinlich angrenzend ein römisches Heiligtum. Drei Funde aus der Römerzeit - ein Ehrenmal für einen Statthalter, ein sogenannter Matronenstein und ein Grabstein für einen Veteranen der ersten Legion - lassen vermuten, daß es sich um ein größeres römisches Anwesen gehandelt hat.
Nach dem Abzug der Römer übernahmen die Franken den Gutshof. Etwa im 9. Jahrhundert entstand eine Burg, ab 1200 Sitz des Adelsgeschlechts der Ritter von Hersel. Die Kirche des fränkischen Fronhofs übernahmen 1149 belgische Augustinermönche. Sie bauten auch ein Kloster. Bis 1803 stellten sie den Chorherrn, den Pastor für Hersel. Burg und Kloster waren allerdings bereits zum Ende des 13. Jahrhunderts verlassen: Der Rhein verlagerte sein Flußbett weiter nach Westen und nagte an den Fundamenten der beiden Gebäudeanlagen.
Ein neuer mit Zeitabschnitt für Hersel begann mit der Amtszeit des Kurfürsten Clemens. Der ließ 1724 die alte Römerstraße (die heutige Rheinstraße) pflastern, um angenehmer von Köln nach Bonn reisen zu können. In Hersel wurden Zollstationen eingerichtet. Die Fuhrleute mußten für das Befahren des Pflasters Wegegeld zahlen. Erst die Preußen schafften 1876 den Wegezoll endgültig ab.
Clemens August war den Herselern sehr zugetan. 1744 ließ er die Barockkirche auf den Fundamenten der früheren Klosterkirche bauen. Drei der sechs vom Kurfürsten gestifteten großen Fenster sind heute noch in der neuen Kirche über der Orgel zu sehen. Die Führung durch die heutige Pfarrkirche machte Pfarrer Anno Burghof, Pfarrer von Hersel. Sie entstand 1901 im Stil der Neugotik. Die drei unverheirateten Schwestern Lambertz hatten der Gemeinde St. Aegidius 21000 Goldmark gestiftet mit der Auflage, diese zum Bau ein er neuen oder zur Erweiterung der alten Kirche zu verwenden. Neben den Kirchenfenstern aus der von Clemens August erbauten Kirche ist auch eine barocke Kanzel in die neue Kirche hinüber gewechselt. Beim Umbau der Barockkirche in einen Saal im Jahre 1933 fanden sich Reste eines Holzsargs und eine Grabplatte mit dem Wappen derer von Hersel. Die Adelsfamilie hatte drei Lilien und einen Sparren in Gold auf blauem Grund zu ihrem Wappen gewählt. Die letzte Freifrau von Hersel verstarb 1851. Die mittelalterliche Grabplatte ist noch heute im Aegidiussaal zu sehen.
Der aufmerksame Beobachter merkt beim Fußmarsch durch Hersel: Etwa die Hälfte des Dorfes besteht aus neueren Häusern. Bis auf Höhe der alten Kirche brannte 1793 eine Ortshälfte ab. Ein kurfürstlicher Soldat hatte mit Feuer gespielt, während die Herseler Pützchens Markt besuchten. Doch lassen sich noch jüngere Bauten im Stile des fränkischen Vierkant-Hofes finden. Bestes Beispiel ist der Marienhof, ein Weingut von 1867. Bis zum Beginn unseres Jahrhunderts wurde in der Gegend um Hersel Wein angebaut.
An die Ortsbegehung schloß sich ein Besuch im Hause der Firma Kramer an. Eine Sammlung von 120 alten eisernen Ofenplatten mit meist biblischen Darstellungen befindet sich im Besitz der Familie.
[von Annegret Loges aus dem General-Anzeiger vom 22.8.1991, zur Verfügung gestellt von Christoph Büser -Widdig-, Bearbeitung FN ]
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